5 Jahre Riester-Rente – eine Zwischenbilanz
Zum 1.1.2002 wurde die staatlich geförderte zusätzliche kapitalgedeckten Altersvorsorge eingeführt - die sogenannte Riester-Rente. Die Förderung besteht aus einer Kombination von Zulagenförderung und Steuerfreistellung in der Ansparphase, verbunden mit der vollen Besteuerung des Alterseinkommens in der Auszahlungsphase. Der nachfolgende Beitrag stellt die Grundzüge kurz dar und zieht 3 ½ Jahre nach Einführung eine Zwischenbilanz.
Förderberechtigung
Die Förderung können
grundsätzlich alle Personen beanspruchen, die in einer gesetzlichen
Rentenversicherung pflichtversichert sind (hierzu gehören auch ausländische
Versicherungen, wenn sie der deutschen GRV vergleichbar sind), sowie
Besoldungsempfänger. Beide Gruppen müssen auf Dauer in der Bundesrepublik
Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig bleiben.
Wichtig insbesondere bei
Auslandsaufenthalten: Diese beiden Voraussetzungen müssen nicht das gesamte
Kalenderjahr vorliegen; vielmehr reicht der Teil des Jahres aus, der zur
Erfüllung beider oben genannten Voraussetzungen führt.
Produkte
Voraussetzung für den Erhalt der Förderung ist
weiter, dass Sie einen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
(BaFin) zertifizierten Altersvorsorgevertrag (Riester-Vertrag) abschließen.
Wesentliches Kriterium eines Riester-Vertrags ist die lebenslange Auszahlung
einer Rente. Allerdings ist seit 2005 auch eine Einmalauszahlung in Höhe von
bis zu 30 % zu Rentenbeginn möglich. Des weiteren können die in der
Auszahlungsphase anfallenden Zinsen und Erträge förderunschädlich gesondert
ausgezahlt werden. Das geförderte Riester-Vermögen ist vor Pfändung und
Anrechnung geschützt (z.B. beim Arbeitslosengeld II). Außerdem garantieren die
Anbieter von Riester-Verträgen, dass zu Rentenbeginn mindestens das eingezahlte
Kapital (einschließlich der Zulagen) zur Verfügung steht. Nominale Verluste
sind somit ausgeschlossen. Man kann Riester-Verträge grundsätzlich in drei
Produktkategorien aufteilen: Banksparpläne, private Rentenversicherungen und
Fondssparpläne.
Förderung
Die Altersvorsorgezulage (Riester-Zulage) setzt
sich zusammen aus der Grundzulage und der Kinderzulage, die für jedes
kindergeldberechtigte Kind gezahlt wird. Die Höhe der Zulagen steigt bis zum
Jahr 2008 alle zwei Jahre an. Die jeweiligen Beträge sind aus der
untenstehenden Tabelle ersichtlich.
Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, den gesamten
Altersvorsorgeaufwand im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung als
Sonderausgabenabzug geltend zu machen. Ist die Steuerersparnis durch den
Sonderausgabenabzug höher als die Zulage, wird die Differenz erstattet. Das
Finanzamt führt diese Günstigerprüfung von Amts wegen durch. Die gezahlte
Zulage verbleibt auf dem Anlagekonto. Der Sonderausgabenabzug ist auf einen
Höchstbetrag von z. Zt. 1.050 Euro begrenzt. Er steigt bis zum Jahr 2008 auf
2.100 Euro.
Verfahren
Die Riesterzulagen müssen über den Anbieter bei der
Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) beantragt werden. Sie können
aber hierzu Ihren Anbieter bevollmächtigen. Die schriftliche Bevollmächtigung
kann bereits bei Vertragsabschluss oder im Rahmen des Zulagenantrags erteilt
werden und gilt bis auf Widerruf (Dauerzulagenantrag). Der Riester-Sparer muss
künftig somit nur dann aktiv werden, wenn sich die persönlichen
Lebensverhältnisse ändern (z.B. Geburt eines Kindes, Heirat, Scheidung).
Der zusätzliche Sonderausgabenabzug wird durch
Abgabe der Anlage AV mit der Einkommensteuererklärung beantragt.
Eigenbeitrag
Um die volle Förderung zu erhalten ist ein
bestimmter Eigenbeitrag erforderlich. Wie hoch dieser Eigenbeitrag ist, ergibt
sich aus der nachfolgenden Tabelle.
Erforderlicher
Eigenaufwand für maximale Zulage (Jahresbeträge)
(Kinderzulagen
gelten nur für kindergeldberechtigte Kinder)
|
|
Mindesteigenbeiträge
für maximale Zulagenförderung |
||
|
Jahr der Förderung |
2004/2005 |
2006/2007 |
ab 2008 |
|
Betrag in Höhe von |
2% |
3% |
4% |
|
|
des maßgebenden Vorjahreseinkommens |
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|
höchstens jedoch |
1050 € |
1575
€ |
2100 € |
|
abzüglich Grundzulage |
76 € |
114
€ |
154 € |
|
abzüglich
Kinderzulage (je Kind) |
92 € |
138
€ |
185 € |
|
mindestens jedoch |
Sockelbetrag 60 € |
||
Welche Rente
ist zu erwarten?
Berechnung der Rente/Rate aus einem Riester-Vertrag
bei Einzahlungen ab 2008
|
|
Maßgebendes
Vorjahreseinkommen zu Beginn 30.000 Euro |
|
Altersvorsorge-aufwendungen1) zu Beginn Euro/Jahr |
1.200 |
|
Zusätzliche Rente2) bei Laufzeit 20
Jahre Kapitalrendite 6% Euro/Monat |
348 |
|
Zusätzliche Rente2) bei Laufzeit 30
Jahre Kapitalrendite 6% Euro/Monat |
794 |
1) 4% des
maßgebenden Vorjahreseinkommens zu Beginn
2) konstante
Rente; durchschnittliche Laufzeit 18 Jahre; Verwaltungskosten 10%; Sparbeitrag durchgängig
4% des Bruttoeinkommens; Bruttoeinkommen steigt jährlich um 2,0 %
Welche
Riester-Fonds bietet der Markt?
Wenn überhaupt halte ich den Abschluss eines
Fondssparplans für sinnvoll. Sie bieten langfristig die besten Renditechancen
bei vergleichsweise geringem Risiko. Da für alle Riester-Produkte die Zusage
auf Kapitalerhalt zu Beginn der Auszahlungsphase zwingend vorgeschrieben ist,
und alle Riester-Produkte nachgelagert besteuert werden, spricht relativ wenig
für die Wahl einer fondsgebundenen Riester-Rentenversicherung. Vielmehr dürfte
aus Kostengesichtspunkten in aller Regel der „reine“ Fondssparplan die bessere
Alternative sein.
Leider ist das Angebot an Riester-Fondssparplänen
recht spärlich. So werden nach Angaben des BVI solche Produkte lediglich von
den Fondsgesellschaften Activest, ADIG Invest, BHW Invest, Deka, dit,
DWS HANSA-INVEST und Union Investment angeboten. Die meisten Investmenthäuser
orientieren sich am Lebenszyklusmodell. Hierbei ist der Anleger an die vorgegeben
Aktienquote gebunden, die mit steigendem Alter sinkt. Eine höhere Aktienquote
auf Wunsch des Anlegers ist hier selbst bei risikobewussten bzw.
chancenorientierten Anlegern nicht möglich. Mit einer Ausnahme haben die
Anleger auf die Auswahl der Fonds innerhalb des Sparplans keinen Einfluss.
Lediglich bei der ADIG kann der Anleger zumindest bei den Fonds wählen, die
nicht zum Kapitalerhalt verwendet werden. ( Anmerkung: Die Programme der
unterstrichenen Gesellschaften können bei mir abgeschlossen werden – wenn’s
denn sein muss).
Übersicht
der zertifizierten Riester-Produkte 1
|
Produkt |
Verwendete Fonds/Anlageschwerpunkt |
|
|
|
|
cominvest FörderDepot |
1. Renten-Laufzeitfonds mit
(fest) Aufteilung
Aktien-/Rentenfonds in Abhängigkeit von Vertragslaufzeit / Lebensalter und
Auswahl der Fonds durch Investmentgesellschaft 2. Folgende
(Aktien)Fonds zur Wahl: FONDIS FONDIROPA FONDRA Auswahl des Fonds durch
Anleger |
|
Frankfurter Service KAG BHW FörderFonds-Sparplan |
BHW
TriSelect (gemischtes Wertpapier-und Grundstücks-Sondervermögen) Auswahl durch
Investmentgesellschaft |
|
Deka BonusRente |
Deka-BR Aktien 20 Deka-BR Aktien 35 Deka-BR Aktien 45 Deka-BR Aktien 55 Deka-BR Aktien 75 Deka-BR Aktien 80 Deka-BR Aktien 85 Deka-BR Aktien 100 (globaler Aktienfonds) Fondsauswahl
durch Deka Investment GmbH |
|
Allianz-dit-Fondsvorsorge |
dit-FONDSVORSORGE 1947-51 dit-FONDSVORSORGE 1952-56 dit-FONDSVORSORGE 1957-66 dit-FONDSVORSORGE 1967-76 dit-FONDSVORSORGE 1977-96 Zielaktienquote Allianz-
dit-Fonds-vorsorge 1947-51: zu Beginn 20 %; die anderen Fonds liegen
bei 50 % (dit-Fondsvorsorge 1952-56) bis 100 % (dit-Fondsvorsorge 1977-96) Fondsauswahl durch
Investmentgesell-schaft in Abhängigkeit vom Geburtsjahr des Anlegers |
|
DWS TopRente DWS TopRente Dynamik (für Anleger von 15 bis
39 Jahre) DWS TopRente Balance (für Anleger von 40 bis 49
Jahre) DWS TopRente Plus (für Anleger ab 50 Jahre) DWS RiesterRente Premium ( neu ab 01.04.2007 ) |
DWS
Akkumula DWS
Vermögensbildungsfonds I DWS
Vorsorge AS Dynamik DWS
Vorsorge AS Flex DWS Eurovesta DWS TopRente Investa DWS TOP 50 Asien DWS TOP 50 Europa DWS TOP 50 Welt DWS Eurorenta DWS Euro-Corp Bonds DWS ProRenta DWS Select Rent DWS
Inter-Renta DWS
Re-Inrenta DWS
Geldmarktfonds DWS Top
Zins Bei der DWS TopRente
Dynamik und Balance wird zum Ende der Laufzeit nach und nach der
Rentenfondsanteil erhöht und der Aktienfondsanteil verringert. Während der Laufzeit
flexible Gewichtung. Fondsauswahl durch
Investmentgesell-schaft in Abhängigkeit vom Geburtsjahr des Anlegers _____________________________________ Die RiesterRente Premium
bietet eine flexible Höchststandssicherung am Ende der Laufzeit, mit der man
die erreichten Wertsteigerungen einloggen kann |
|
HANSAgeneration-Plan |
Anlage in Dachfonds nach
Restlaufzeit: Über 24 Jahre
HANSAdynamik (chancenreiche Strategie) 12 - 24 Jahre HANSAcentro
(ausgewogene Strategie) 6 - 12 Jahre HANSAbalance
(sicherheitsbetonte Strategie) Weniger als 6 Jahre
HANSAaccura (werterhaltende Strategie) Fondsauswahl durch
Fondsgesellschaft |
|
UniProfiRente |
UniGlobal UniEuroRenta Fondsauswahl durch
Fondsgesellschaft |
Quelle: BVI, Stand:
12.November 2007


Fazit: Meine anfänglich eindeutige
Ablehnung des Konstruktes ist nach erfolgreich begonnener Entrümpelung der überbordenden
bürokratischen Einengungen gewichen. Der Abschluss eines Riester-Vertrags kann
unter Umständen durchaus attraktiv sein. Ich habe allerdings weiterhin
Vorbehalte gegen alle Sparpläne, seien es Kapitalversicherungen
oder Riester-/Rürup-Konstrukte, die den Sparer über Jahrzehnte in ein Korsett
zwängen, aus dem er ohne Nachteile nicht heraus kommt. Insofern sollten Sie
prüfen, ob Sie eine lange Wegstrecke hindurch „bei der Stange bleiben“ können
und wollen.
Nicht vergessen darf man bei einer Gesamtbetrachtung,
dass die späteren Auszahlungen in voller Höhe zu versteuern sind.
Auch gibt es Steuervorgaben, die dazu führen
können, dass Förderbeiträge zurück gezahlt werden müssen. Wer während der
Ansparphase stirbt, kann logischerweise später keine Steuern auf seine Rente
bezahlen. Daher ist der Tod des Anlegers für deutsche Bürokraten hier ein
„förderschädliches Verhalten“.
Quelle:
Die
sachlichen Informationen dieses Beitrags wurden mir von Heinz-Josef Nüssgens,
Hennef, Dipl.-Finanzwirt; Oberamtsrat im Bundesministerium für Gesundheit und
Soziale Sicherung, Referat "Zusätzliche Altersvorsorge";
Vorstandsmitglied im Verein zur Förderung der Investmentidee in
Deutschland zur Verfügung gestellt.
Die
bewertenden Schlussfolgerungen im Abschnitt „Fazit“ stammen von mir.
Stand:
03.12.2007